Nicht wenige Heime mit eingehender Blister-Erfahrung haben dem Schlauch­blister aus dem Blisterzentrum wieder den Rücken gekehrt, weil die notwendige Flexibilität in der Versorgung nicht erbracht wurde – nicht erbracht werden konnte.

  • Solange die Apotheke die Versorgung direkt mit der eigenen Maschine oder mit manuell gestellten Blistern durchführt, sind unmittelbar notwendige Reaktionen in der Regel kein Problem, sofern die Kommunikation mit dem Heim und die Prozesse in der Apotheke darauf ausgerichtet sind.
  • System-immanent kann das Blisterzentrum meist jedoch nicht so schnell reagieren wie die Apotheke selbst (bei akuten Änderungen, KH-Entlassung am Wochenende, unerwarteter Aufnahme, usw.). Änderungen im Schlauchbeutel aus der Apotheke sind zeitkritisch nur mit eigenem Automat möglich.

Wie reagiert die Apotheke mit Blisterzentrum-Belieferung auf schnelle Änderungen?

  • Die Apotheke kann selbst gar nichts machen – der Blisterstreifen ist ja im Heim.
  • Schnell die notwendigen Medikamente verblistern? – geht nicht, denn meistens hat die Apotheke mit Blisterzentrum-Bestellung gar keinen Blisterraum! Eventuell genau darum muss die Apotheke das Blisterzentrum bemühen.
  • Daher müssen Änderungen im Blisterzentrum bestellt werden. Das dauert einen bis vier Tage. Zudem kosten schnelle Änderungen vom Blisterzentrum Aufpreise und Zuschläge!
  • Also wieder zurück und die N1-Packung ins Heim liefern? – Das Heim wollte die Medikamente doch extra verblistert haben wegen Zeitersparnis, Sicherheit, Hygiene, usw.

Und was bekommt das Heim nun dafür? Eine Einzelpackung zum Selbst-Stellen.

  • Das Heim bleibt so bei notwendigen Änderungen im Blisterstreifen aus dem Blisterzentrum auf sich selbst gestellt, denn die exam. Pflegefachkraft muss – genau wie vor der Verblisterung – alle Änderungen irgendwie organisieren, dokumentieren, kontrollieren – und gegenüber dem MDK verantworten!
  • Das Problem dabei: Das Heim hat – im Gegensatz zur Zeit vor der Verblisterung – gar keine Medikamente für den Bewohner/Patienten gelagert. Wie also ändern?
  • Die versorgende Apotheke hat ebenfalls keine Medikamenten-Packungen für den Bewohner gelagert – eventuell muss sie beim Großhandel erst bestellen.
  • Mit der N1-Packung aus der Apotheke hat die Pflegekraft wieder alle „Schwarze Peter“-Karten in der Hand!
  • So ist der Blister aus dem Blisterzentrum (gezwungenermaßen ein Schlauchblister) nur ein „halber Ersatz“ für das Stellen im Heim.

Änderungen sind mit einem Blisterzentrum schwierig umzusetzen.

  • Tatsächlich werden Schlauchblister nur selten geändert, so zeigt die Erfahrung: Tütchen aufschneiden, mit der Pinzette Änderungen durchführen und mit Klebeband wieder verschließen erscheint mit der automatischen Herstellungssicherheit nicht ganz vereinbar zu ein. Nur Apotheken mit eigenem Blisterraum könnten Änderungen überhaupt vornehmen!
  • Gerade Apotheken, die den Wochenstrang aus dem Blisterzentrum beziehen, besitzen meist keinen Blister-Raum nach ApBetrO: diese Apotheke kann gar nicht mehr ändern, was aus dem Blisterzentrum geliefert wird – selbst wenn sie wollte!
  • Bei zwingend notwendigen Änderungen muss der restliche gelieferte Strang aus dem Blisterzentrum verworfen werden, und kann in diesem Falle somit nicht komplett verwendet werden. Denn Änderungen dergestalt, dass nach­gelieferte Tüten in einen vorhande­nen Strang eingepasst werden, sind bisher nicht bekannt.
  • So wird meist ein geänderter Blisterstrang angefordert: bis aber ein neuer bzw. geänderter Schlauchblister-Strang ein­trifft, vergeht meist mehr als ein Tag, wenn der Automat nicht in der Apothe­ke oder das Blisterzentrum um die Ecke steht – viel zu spät bei dringend benötig­ter Medika­tion!
  • Daher ist der Apotheker vor Ort gehalten, die aktuell notwendige Be­liefe­rung eigenständig zu organisieren: die gleichen Medikamente wie im Blisterstrang hat er evtl. nicht vorrätig und muss diese beim GH bestellen. Sind diese denn vorhanden, werden die dringend benötigten Medikamente teils als N1-Packung, als 10-er Streifen, oder einzeln abgepackt in Plastik- oder Papiertütchen dem Heim übergeben – das Heim ist nun in der Pflicht und muss diese Lieferungen zusammen mit dem vorliegenden Blister irgendwie organisieren! Dabei sind Fehler vorprogrammiert.
  • Es ist daher verständlich, dass Ärzte und Patientenvertreter aus diesem Grund mit der Leistung einigen Apotheken bei der Heimversorgung unzufrieden sind.
  • Das grundlegende Problem dabei ist dabei nicht der Blister, oder welcher Blister – sondern die Organisation, wie Änderungen umgesetzt werden (können)!